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Nicht alle Kinder mit FAS haben im gleichen Umfang kognitive Schwierigkeiten. Eine große Mehrheit der FAS-Kinder hat aber erhebliche Probleme in sozialen Situationen. Das heißt: Die Probleme des Kindes werden nicht immer im Klassenraum, aber stets auf dem Schulhof sichtbar. Die Wahl der geeigneten Schule sollte also nicht nur an der „schulischen Leistung“ des Kindes gemessen werden. Auch FAS-Kinder, die im Unterricht mithalten, genügen meist den sozialen Anforderungen der Mitschüler nicht. Sie werden dann verspottet, ausgenutzt und bei Streichen beschuldigt – zuweilen ohne, dass sie selbst bemerken, wie ihnen mitgespielt wird und ohne die eigene Fähigkeit, sich abzugrenzen.

Bei Kindern mit FAS sind Aggressionen bei Leistungsanforderung, Ausweichen vor der Hausaufgabensituation, Launen und Verweigerung so gut wie nie ein „Beweis der Faulheit“ des Kindes oder Anzeichen elterlicher Erziehungsfehler, sondern sichere Anzeichen der Überforderung. Einzelne gute Leistungen oder Leistungsphasen spiegeln nicht wider, was das FAS-Kind „eigentlich könnte, wenn es sich nur anstrengen würde“. Gute Leistungsphasen gehören ebenso zum FAS wie „schlechte Zeiten“. Das FAS-Kind, das gestern eine Aufgabe löste und heute vor der gleichen Aufgabe ratlos steht, ist nicht träge. Auch will es Pädagogen und Lehrer nicht ärgern.

Wird das sehr wechselhafte Leistungsniveau bei FAS-Kindern durch helfende Eltern oder nachsichtige Lehrer zu sehr verdeckt, und gelangt das FAS-Kind am Ende zu einem Schulabschluss, der ohne ein Maximum an „Druck“ oder Gefälligkeit nicht zustande gekommen wäre, werden spätestens in der Berufsausbildung, wo die Möglichkeiten der Hilfe durch Eltern oder Lehrer entfallen, Schwierigkeiten entstehen, die den Jugendlichen mit FAS, aber auch anfangs noch wohlmeinende Ausbilder stark belasten können. Nach einem Wechsel von einer überfordernden hin zu einer angemessenen Schulform verschwinden viele Verhaltensstörungen und soziale Auffälligkeiten des FAS-Kindes „von allein“.

Eine für FAS-Kinder ideale Schulform gibt es derzeit nicht. Förderschulen tun sich schwer mit der Aufnahme von FAS-Kindern, wenn diese im Intelligenztest gut bestehen. Da aber die Probleme der Kinder in der Alltagsbewältigung und im Bereich des sozialen Umganges liegen, sind Förderschulen dennoch oft die geeignetere Schulform. Der Wechsel der Schule sollte geschehen, bevor die Kinder die Freude am Lernen verlieren und „blockieren“. Da Kinder Trauer und depressive Verstimmung anders ausdrücken als Erwachsene, nämlich auch in aggressivem Verhalten, ist dieses oft ein Zeichen dafür, dass es die Überforderungssituation nicht mehr durchstehen kann.

FAS-Kinder sind sehr leicht ablenkbar. In der Schulklasse können sie der Lehrerin kaum folgen, weil das Treiben der Mitschüler spannender ist. FAS-Kinder hält es dann nicht auf ihrem Stuhl. Manchmal sind sie auch „abwesend“, wirken verträumt. FAS-Kinder erleben Reize aus der Umwelt anders. Nebensächliches wird bedeutsam, kleines wird groß. Das FAS-Kind selbst glaubt, angemessen zu reagieren, wenn es auf ein Lachen der anderen mehr Albernheit zeigt oder auf einen versehentlichen „Rempler“ antwortet wie auf einen absichtlichen Angriff. Den Mitschülern und Lehrern muss die Reaktion dann überzogen vorkommen.

Der Wunsch, für das FAS-Kind eine reizarme Lernumgebung zu schaffen, lässt sich häufig nur zu Hause gut umsetzen. Im Klassenraum sollte das FAS-Kind nicht hinten sitzen. In kleinen Klassen kommt das FAS-Kind besser zurecht. Das FAS-Kind sollte von der Lehrerin gezielt befragt werden, ob es eine Aufgabe verstanden hat, ob es die Hausaufgaben wirklich notiert hat. Solche Bedingungen lassen sich nicht immer schaffen. Im direkten Kontakt mit der Lehrerin können aber einzelne Hilfen abgesprochen werden.

Klassische Formen der ADHS-Therapie sind bei FAS nicht sinnvoll. Auch gutes Training verhindert nämlich nicht den „wellenförmigen“ Leistungsverlauf der FAS-Kinder. Trotz Lob und Belohnung kann das Kind an manchen Tagen nicht, wie es das Trainingsprogramm will. Dennoch sind viele Trainingsbausteine anwendbar: Häufiger als bei anderen Kindern müssen Lerninhalte bei FAS wiederholt angeboten werden. Erklären ist weniger hilfreich, als das gewünschte Verhalten „vor zu machen“ und es mit dem Kind praktisch einzuüben. Anweisungen sollten einfach und klar sein. Sie sollten immer nur eine Sache zum Inhalt haben. Ebenso sollte eine Aufgabe nach der anderen gestellt werden, die zweite erst, wenn die erste beendet ist. Ganz praktische Hilfen sind: das Kind – für dieses vorhersehbar - anzufassen und Blickkontakt herstellen, denn das Kind versteht die nur gesprochene Anweisung nicht leicht. Manchmal sind Bilder hilfreicher als Texte. Ebenso sollten einfache Hilfen gewährt werden, etwa Unterstützung beim Start der neuen oder auch der bekannten Aufgabe, häufiges Erinnern an die Aufgabe. Diese Begleitung ist anstrengend, aber unverzichtbar.

Das Abfragen von Regeln ist meist nicht hilfreich. Das FAS-Kind kann Regeln oft gut aufsagen, aber nicht beachten oder einhalten. Auch wenn es nicht mehr altersangemessen scheint: Kontrolle, Anleitung und „Nachprüfen, ob das gewünschte geschah“, sind überdauernd notwendig. FAS-Kinder lassen sich durch Lob oder Tadel nicht immer gut beeinflussen. Enttäuschungen der Erwachsenen können folgen.

Zusagen, etwas tun und leisten zu wollen, gibt das FAS-Kind leicht, ohne verstanden zu haben, was es tun soll und ohne einschätzen zu können, ob es die Aufgabe bewältigen kann. Hält es dann die Zusage nicht ein, ist das nicht faul oder böswillig, sondern einfach die Folge der arglosen Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft des Kindes. Verständige Erwachsene ärgern sich nicht über den „Vertragsbruch“, sondern prüfen beim nächsten Mal, ob die Aufgabe angemessen ist und- ob sie verstanden wurde. (Manchmal hilft es, das Kind zu bitten, die Aufgabenstellung zu wiederholen und es zu fragen, wie es – in welchen Schritten – bei der Problemlösung vorgehen will.)

Eine große Hilfe im Alltag, auch im Schulalltag, sind feste, gleichbleibende Strukturen. Gleiche Tagesabläufe, gleiche Rituale, natürlich auch „gleiche“ Bezugspersonen geben FAS-Kindern Zuversicht in einer für sie unüberschaubaren Welt. Spontane Änderungen oder neue Anforderungen verunsichern sie und bewirken Angst oder Aggression. Wenig hilfreich sind freie Zeiten oder der Gedanke, das Kind solle Gelegenheit haben, sich frei nach eigenen Interessen befassen und entwickeln. Das FAS-Kind ist dann meist ratlos, manchmal „stellt es etwas an". In der Schule wie zu Hause sind „Anregungen“, „neue Erlebnisangebote“, die ein Kind belohnen sollen, für ein FAS-Kind meist große Last.

FAS-Kinder treten oft forsch auf, scheinen ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Wiederholte Erfahrungen des Scheiterns an altersgerechten Aufgaben oder das Erleben, das jüngere Kinder besser zurecht kommen, lassen FAS-Kinder aber zugleich auch denken, dass sie weniger wert oder untauglich sind. Jedes FAS-Kind hat aber Fähigkeiten, die ungestört sind oder sogar gut ausgeprägt auftreten. Nicht selten sind das sportliche Betätigungen oder gut beherrschte praktische Fähigkeiten. Nicht immer ist es leicht, diese besonderen Gebiete zu finden. Anfangs sollten Lehrer hier verschiedene Angebote machen. Ein eigenes „Leistungsfeld“, etwa besondere Aufgaben in der Klasse, die nur diesem Kind zustehen, sind aber zu finden. FAS-Kinder sind hilfsbereit, finden sich oft gut darin ein, schwächere zu unterstützen. Im Sport ist zu beachten, dass Mannschaftssport und komplexe Regeln überfordern können. Ohne ein – wenn auch kleines - Gebiet eigenen Handelns, das dem Kind zeigt: „ich kann auch etwas!“, sollte der Schulalltag des FAS-Kindes nicht sein.