Liebe Leserin, lieber Leser!

Seien Sie auf dieser Seite herzlich willkommen. Sie finden hier wissenschaftliche Hintergrundinformationen zum Krankheitsbild, zum speziellen Phänotyp der Verhaltensstörung und anderen Themen rund um das Fetale Alkoholsyndrom.

Dr. Reinhold Feldmann  

         

Informationen zur FAS-Forschung finden Sie auch hier: fetales-alkoholsyndrom.uni-muenster.de

Aktuelle Zahlen zu den Kosten des FAS in Nordrhein-Westfalen unter "Aktuelles".

 

FAS-Kinder und ihre Eltern erleben nicht selten Kritik zum Verhalten des Kindes oder dem vermeintlich schlechten Erziehungsstil der Eltern. Hier ein Text "aus dem Mund der Kinder", der helfen kann, das FAS und die Folgen für Außenstehende zu erklären.

"Liebe Erwachsene! Wir heißen Leon und Jennifer, und wir sind FAS-Kinder. Unsere Mütter haben nämlich leider Alkohol getrunken, als sie mit uns schwanger waren. Der Alkohol hat uns, als wir noch im Bauch waren, sehr geschadet. Deshalb sind wir zum Beispiel kleiner und dünner als die anderen Kinder, und wir sind auch nicht so gesund. Wir haben oft einen Herzfehler, manchmal können wir nicht so gut sehen oder hören. Das liegt alles am Alkohol und heißt „Fetales Alkoholsyndrom (FAS)“.

Ganz besonders giftig ist Alkohol für das Gehirn, und deshalb finden uns viele Leute ganz komisch, wenn sie uns erleben. Weil wir nämlich sehr, sehr unruhig sind. Wir können nicht einfach ruhig sein, müssen immer herumlaufen, toben, und klettern. Wir sind auch laut, und einfach mal still spielen, das schaffen wir nicht. Naja, ganz selten. Der Doktor sagt, dass wir uns nicht selbst steuern können. Und das stimmt auch, wir wundern uns selbst über das, was wir machen. Und wenn uns wer fragt, warum wir das machen, wissen wir das nicht.

Also wegen unserer Unruhe werden wir oft ausgeschimpft. Die Großen sagen: „Sei still!“ oder „Reiß Dich zusammen!“ oder „Benimm Dich endlich!“ Wir würden das so gern können. Denn dann würden uns auch die anderen Kinder nicht immer wegschicken oder lachen. Wir wären gerne wie die, aber wir können nicht. Wegen des Gehirns und dem Alkohol eben. Deshalb helfen uns die Großen kein bisschen, wenn sie schimpfen.

Weil das mit dem Alkohol passiert ist, sind wir immer unruhig. Aber das ist noch nicht alles, wir sind auch ganz oft unkonzentriert und wir können uns Sachen auch gar nicht gut merken. Im Lernen sind wir, das ist ja klar, ganz langsam und müssen immer von vorne anfangen. Weil wir das wieder vergessen. Dann sagen die Großen: „Ich habe Dir schon hundert mal gesagt...“ oder „Lern das doch endlich!“ Das wollen wir ja. Und wie! Aber das klappt eben nicht so schnell, und dann sagen die Großen über uns: „Die sind aber frech und faul!“ Dabei haben wir nur vergessen, was wir machen sollen.

Neulich sind wir wieder beschimpft worden, und dann haben wir gedacht: wir schreiben mal auf, dass wir ganz bestimmt nicht frech oder ungezogen sein wollen. Zum Glück helfen uns unsere Eltern und viele andere, weil sie Geduld haben und uns alle Sachen ganz einfach erklären. Und ganz oft. Und am besten selber vormachen. Und den anderen Großen wollen wir gerne sagen, dass wir sehr nette Kinder sind, nämlich fröhlich und hilfsbereit. Unruhig und unkonzentriert und vergesslich sind wir auch, aber wegen der Sache mit dem Alkohol. Und nicht absichtlich. Also: Alles kann uns helfen. Außer schimpfen. Aber das sagten wir ja schon. Oder?"