Problemstellungen

Riskante Tipps von Pseudoratgebern

In "Das Mami-Buch" einer Frau Kessler aus dem Verlag Coppenrath (2008) lesen wir über Alkohol in der Schwangerschaft auf S. 15: "In den ersten drei Monaten keinen Tropfen! Danach höchstens ein Glas Wein pro Tag."

Vor solchen unsoliden Büchern kann immer wieder nur dringlich gewarnt werden. Bei allem Verständnis für die geschickte Bewirtschaftung verunsicherter Eltern: Sie ist skrupellos, wenn ihre irreleitenden Empfehlungen mit der gesunden Entwicklung von Kindern  spielen.

Auch nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten  - also in der gesamten Schwangerschaftszeit und darüber hinaus - wächst das kindliche Gehirn weiter und differenziert sich aus. Seit langem ist deshalb der medizinische Sachstand völlig klar. Statt aller aus einem Text des Dt. Hausärzteverbandes (2007): "Wir unterstreichen, dass die Hausärzte in Deutschland vor jeglichem Alkoholkonsum [in der Schwangerschaft] abraten."

Das hier laienhaft zusammengeschusterte "Mami-Buch" bietet einen lange veralteten "medizinischen" Kenntnisstand. Diesem Buch zu folgen, gefährdet das ungeborene Kind.

  Dieses Buch erlaubt 1-2 Flaschen Wein in der Woche für Schwangere; eine Alkoholmenge, die dauerhafte hirnorganische Schäden beim Baby verursachen kann.

Aufmerksame Eltern verweisen uns auch auf den Schwangerschaftsratgeber von Renate Huch und Remo Largo. Dort wird auf S. 45 erklärt, Schädigungen für das Kind treten bei mütterlicher Alkoholabhängigkeit (!) auf, und selbst eine Schädigung des Kindes durch 1-2 Gläser Wein pro Tag (!) sei nicht gesichert.

Dieses Buch schießt den Vogel ab: 1-2 Gläser pro Tag summieren sich (bei 0,2 l pro Glas) auf knapp drei Liter Wein pro Woche - eine Menge, die zu erheblichen neurologischen Schäden beim Kind führt. Hier werden Jahrzehnte medizinischer Forschung ignoriert.

 Der Spitzenreiter mit 3 Litern Wein pro Schwangerschaftswoche.

Besser, als den schlechten und gefährlichen Ratgebern hier ein Forum zu bieten, ist es aber, für Schwangerschaftsratgeber zu werben, die sich zum Thema „Schwangerschaft und Alkohol“ fachlich versiert und verantwortungsbewußt äußern. Leserinnen und Leser, die gute Schwangerschafts-Ratgeber kennen, mögen sie bitte benennen.

Häufige Fehldiagnosen

Kinder mit einem FAS, die in der Ambulanz vorgestellt werden, kommen oft mit Vordiagnosen. Die können ADHS oder Autismus heißen oder Bindungsstörungen oder auch Persönlichkeitsstörungen. Nehmen wir uns einmal eine dieser Diagnosen, die „dissoziale“ oder „antisoziale Persönlichkeitsstörung“, vor.
Im ICD 10 ist die dissoziale Persönlichkeitsstörung charakterisiert durch:

„1. Herzloses Unbeteiligtsein gegenüber Gefühlen anderer.
2. Deutliche und andauernde Verantwortungslosigkeit und Mißachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen.
3. Unvermögen zur Beibehaltung längerfristiger Beziehungen, aber keine Schwierigkeiten, Beziehungen einzugehen.
4. Sehr geringe Frustrationstoleranz und niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten.
5. Unfähigkeit zum Erleben von Schuldbewußtsein oder zum Lernen aus Erfahrung besonders aus Bestrafung.
6. Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das eigene Verhalten anzubieten, durch welches die Person in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist“ (ICD 10, 2Bern, 1993, F60.2).

(Pflege- und Adoptiv-)Eltern eines FAS-Kindes finden das Verhalten ihres Kindes nicht vollständig, aber in den Punkten doch genau zutreffend beschrieben. Es ist also kein Wunder, wenn Fachleute, die das – in der Tat wenig bekannte – FAS nicht kennen, von einer anderen Diagnose nichts wissen wollen, wo doch z.B. diese so perfekt zutrifft. Sie ist falsch, aber täuschend echt.

Nun wäre diese Diagnose an sich nicht schlimm, gibt sie doch tatsächlich dissoziales Verhalten wieder, das ein FAS-Kind durchaus zeigen kann. Doch hängt an einer Diagnose auch eine „Begründung“, eine Aussage zur Ursache der Erkrankung. Die sieht im Fall der antisozialen Persönlichkeitsstörung zum Beispiel so aus:

„Bekannt für die Entwicklung der Störung ist: mangelhafte Fürsorge und Zuwendung durch die Mutter, antisoziale Väter, inkonsequentes Elternverhalten; verstärktes Bedürfnis des Kindes, durch ungewöhnliches Verhalten Aufmerksamkeit zu erregen. ... Schon in der Kindheit sind Weglaufen und Diebstähle häufig. Aber auch Schuleschwänzen erwies sich als verlässlicher Prädiktor späteren soziopathischen Verhaltens, das regelmäßig im Alter von 15 Jahren offenkundig wird, vor allem in Form von Delinquenz und auch Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit; es kommt kaum mehr zu einer Ausbildung. Dieser Verlauf geht unvermindert weiter bis zu einem Kulminationspunkt im späten Jugend- bzw. frühen Erwachsenenalter“ (R. Tölle, Psychiatrie, 11Berlin usw, 1996, S. 120).

Aus der älteren Psychiatrie würde das heute sicherlich neutraler und mit weniger Pathos beschriebene Störungsbild so gefasst: „Es fehlt an der inneren Willenshaltung, welche die Strebungen und Triebe zu organisieren und auf erreichbare Ziele auszurichten hat. Die nach außen gerichtete Willenskraft, also Entschluß- und Durchsetzungskraft, ist meist weniger gestört. Die Menschen sind beeinflussbar und verführbar, sie unterliegen in Versuchungssituationen dem Hang nach Bequemlichkeit und Genuß. Das zeigt sich in unstetem Lebenswandel, Arbeitsscheu, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Kriminalität und Prostitution... Diese Verhaltensweisen werden auf unzulänglich ausgebildete Frustrationstoleranz zurückgeführt und durch den Erziehungsstil ängstlich-insuffizienter Mütter erklärt, die das Kind zuviel behüteten und verwöhnten. Die Väter sollen häufig hart und brutal [und Trinker] gewesen sein“ (R. Tölle, Psychiatrie, 11Berlin usw, 1996, S. 121).

Zusammengefasst: die „antisoziale Persönlichkeitsstörung“ des Kindes liegt demnach an den gestörten Persönlichkeiten der Eltern und an ihrem gestörten Erziehungsstil. Wird diese Diagnose vergeben, ist dann kein Wunder, wenn Eltern entsetzt aus der Sprechstunde kommen, weil sie von fachlicher Seite hören mussten: „Ihr Kind ist ganz normal, aber Sie sind gestört. Sie brauchen dringend eine Therapie, damit es dem Kind besser geht.“ So geschieht mit der falschen Diagnose viel Unheil: Die Eltern werden ungerechtfertigt angegriffen und verunsichert und es werden Therapien begonnen, die ganz nutzlos für das Kind sind. Denn: auch wenn die Eltern noch so sehr therapiert werden: das Kind wird dadurch vom FAS nicht geheilt.

Ergänzend dazu: zwar kann die hirnorganische Schädigung eines Menschen (des Kindes) nicht durch die Therapie anderer Menschen (der Eltern) geheilt werden. Vor dem Hintergrund der fachlicherseits akzeptierten und verstandenen Diagnose „FAS“ kann ein Therapieangebot auch für Eltern aber sinnvoll sein. Das Angebot fokussiert z.B. elterliche Schuldgefühle. Die sind nicht selten und ergeben sich etwa durch die Kritik anderer Eltern oder eben auch von Fachleuten („Sie erziehen ihr Kind nicht richtig!“) oder auch durch falsche Vorhersagen bei der Vermittlung („der kleine Leon hatte einen schweren Start, aber mit viel Liebe können gute Eltern nun alles richten“). Sinnvoll ist oft auch eine Paartherapie, die Eltern und elterliche Solidarität untereinander stärkt, denn die Sorge für ein FAS-Kind kann die Partnerschaft der Eltern sehr belasten.

Übrigens: Wer die alten Texte zur dissozialen Persönlichkeitsstörung liest, dem wird auffallen: Beschrieben ist mit dem gewalttätigen und  trinkenden Vater und der ängstlichen und "insuffizienten" Mutter der leibliche `Hintergrund´ sehr vieler FAS-KInder. Dass die "ängstlich-insuffiziente" Mutter auch selbst trank, hielt man für nicht berichtenswert. Es ist gar nicht verfehlt, anzunehmen, dass die alte Diagnose der "Soziopathie" u.a. an Familien mit Alkoholproblem der Eltern und FAS bei den Kindern "erarbeitet" wurde.

FAS in der Öffentlichkeit

Viele Eltern eines FAS-KIndes berichten nicht nur über den Betreuungsmehraufwand: die Kinder können sich nicht gut an Regeln und Anweisungen halten, Gefahren erkennen sie nicht gut, gehen manchmal mit Fremden mit... Hier müssen Eltern viel aufpassen. Gelegentlich scheint es aber nicht weniger aufwändig, FAS erklären zu müssen. Fremde Erwachsene kommen dazu und erleben das FAS-KInd als "frech", die Eltern als erziehungsunfähig oder auch als zu streng. Lehrer halten das FAS-Kind schnell für faul oder respektlos und sind gekränkt.

Die FAS-Ambulanz plant hier eine Aufklärungskampagne, die den Eltern von FAS-Kindern helfen soll. Vor allem geht es um Plakate, um Handzettel. Das Design ist noch in Arbeit, der Text ist geschrieben aus der Sicht von "Leon und Jennifer", zwei FAS-Kindern, denen die Sprüche der uninformierten Erwachsenen richtig auf die Nerven gehen.

FAS und Schule

Nicht alle Kinder mit FAS haben im gleichen Umfang kognitive Schwierigkeiten. Eine große Mehrheit der FAS-Kinder hat aber erhebliche Probleme in sozialen Situationen. Das heißt: Die Probleme des Kindes werden nicht immer im Klassenraum, aber stets auf dem Schulhof sichtbar. Die Wahl der geeigneten Schule sollte also nicht nur an der „schulischen Leistung“ des Kindes gemessen werden.
Auch FAS-Kinder, die im Unterricht mithalten, genügen meist den sozialen Anforderungen der Mitschüler nicht. Sie werden dann verspottet, ausgenutzt und bei Streichen beschuldigt – zuweilen ohne, dass sie selbst bemerken, wie ihnen mitgespielt wird und ohne die eigene Fähigkeit, sich abzugrenzen.
Bei Kindern mit FAS sind Aggressionen bei Leistungsanforderung, Ausweichen vor der Hausaufgabensituation, Launen und Verweigerung so gut wie nie ein „Beweis der Faulheit“ des Kindes oder Anzeichen elterlicher Erziehungsfehler, sondern sichere Anzeichen der Überforderung.
Einzelne gute Leistungen oder Leistungsphasen spiegeln nicht wider, was das FAS-Kind „eigentlich könnte, wenn es sich nur anstrengen würde“. Gute Leistungsphasen gehören ebenso zum FAS wie „schlechte Zeiten“. Das FAS-Kind, das gestern eine Aufgabe löste und heute vor der gleichen Aufgabe ratlos steht, ist nicht träge. Auch will es Pädagogen und Lehrer nicht ärgern. Wird das sehr wechselhafte Leistungsniveau bei FAS-Kindern durch helfende Eltern oder nachsichtige Lehrer zu sehr verdeckt, und gelangt das FAS-Kind am Ende zu einem Schulabschluss, der ohne ein Maximum an „Druck“ oder Gefälligkeit nicht zustande gekommen wäre, werden spätestens in der Berufsausbildung, wo die Möglichkeiten der Hilfe durch Eltern oder Lehrer entfallen, Schwierigkeiten entstehen, die den Jugendlichen mit FAS, aber auch anfangs noch wohlmeinende Ausbilder stark belasten können.
Nach einem Wechsel von einer überfordernden hin zu einer angemessenen Schulform verschwinden viele Verhaltensstörungen und soziale Auffälligkeiten des FAS-Kindes „von allein“. Eine für FAS-Kinder ideale Schulform gibt es derzeit nicht. Förderschulen tun sich schwer mit der Aufnahme von FAS-Kindern, wenn diese im Intelligenztest gut bestehen. Da aber die Probleme der Kinder in der Alltagsbewältigung und im Bereich des sozialen Umganges liegen, sind Förderschulen dennoch oft die geeignetere Schulform. Der Wechsel der Schule sollte geschehen, bevor die Kinder die Freude am Lernen verlieren und „blockieren“. Da Kinder Trauer und depressive Verstimmung anders ausdrücken als Erwachsene, nämlich auch in aggressivem Verhalten, ist dieses oft ein Zeichen dafür, dass es die Überforderungssituation nicht mehr durchstehen kann.
FAS-Kinder sind sehr leicht ablenkbar. In der Schulklasse können sie der Lehrerin kaum folgen, weil das Treiben der Mitschüler spannender ist. FAS-Kinder hält es dann nicht auf ihrem Stuhl. Manchmal sind sie auch „abwesend“, wirken verträumt. FAS-Kinder erleben Reize aus der Umwelt anders. Neben-sächliches wird bedeutsam, kleines wird groß. Das FAS-Kind selbst glaubt, angemessen zu reagieren, wenn es auf ein Lachen der anderen mehr Albernheit zeigt oder auf einen versehentlichen „Rempler“ antwortet wie auf einen absichtlichen Angriff. Den Mitschülern und Lehrern muss die Reaktion dann überzogen vorkommen.
Helfen kann allen Beteiligten, dass die Lehrer über FAS aufgeklärt werden. Viele Lehrer nehmen Informationsmaterial über FAS durchaus an.
Eine Medikation sollte den FAS-Kindern, nicht verweigert werden. Viele Eltern haben hier Bedenken, weil ein Medikament, etwa Methylphenidat, die Persönlichkeit des Kindes verändern könnte. Tatsächlich erlauben die Medikamente im Regelfall dem FAS-Kind, die Persönlichkeit zu sein, die sie ohne die Aufmerksamkeitsdefizite und Verhaltensauffälligkeiten, die das FAS verursacht, eigentlich wären. Oft ist eine Medikation der einzige Weg, den Kindern Zugang zu den Lerninhalten zu eröffnen und sie in den Stand setzen, freundschaftliche Kontakte zu knüpfen.
Der Wunsch, für das FAS-Kind eine reizarme Lernumgebung zu schaffen, lässt sich häufig nur zu Hause gut umsetzen. Im Klassenraum sollte das FAS-Kind nicht hinten sitzen. In kleinen Klassen kommt das FAS-Kind besser zurecht. Das FAS-Kind sollte von der Lehrerin gezielt befragt werden, ob es eine Aufgabe verstanden hat, ob es die Hausaufgaben wirklich notiert hat. Solche Bedingungen lassen sich nicht immer schaffen. Im direkten Kontakt mit der Lehrerin können aber einzelne Hilfen abgesprochen werden.
Klassische Formen der ADHS-Therapie sind bei FAS nicht sinnvoll. Auch gutes Training verhindert nämlich nicht den „wellenförmigen“ Leistungsverlauf der FAS-Kinder. Trotz Lob und Belohnung kann das Kind an manchen Tagen nicht, wie es das Trainingsprogramm will. Dennoch sind viele Trainingsbausteine anwendbar: Häufiger als bei anderen Kindern müssen Lerninhalte bei FAS wiederholt angeboten werden. Erklären ist weniger hilfreich, als das gewünschte Verhalten „vor zu machen“ und es mit dem Kind praktisch einzuüben. Anweisungen sollten einfach und klar sein. Sie sollten immer nur eine Sache zum Inhalt haben. Ebenso sollte eine Aufgabe nach der anderen gestellt werden, die zweite erst, wenn die erste beendet ist. Ganz praktische Hilfen sind: das Kind – für dieses vorhersehbar - anzufassen und Blickkontakt herstellen, denn das Kind versteht die nur gesprochene Anweisung nicht leicht. Manchmal sind Bilder hilfreicher als Texte. Ebenso sollten einfache Hilfen gewährt werden, etwa Unterstützung beim Start der neuen oder auch der bekannten Aufgabe, häufiges Erinnern an die Aufgabe. Diese Begleitung ist anstrengend, aber unverzichtbar.
Das Abfragen von Regeln ist meist nicht hilfreich. Das FAS-Kind kann Regeln oft gut aufsagen, aber nicht beachten oder einhalten. Auch wenn es nicht mehr altersangemessen scheint: Kontrolle, Anleitung und „Nachprüfen, ob das gewünschte geschah“, sind überdauernd notwendig.
FAS-Kinder lassen sich durch Lob oder Tadel nicht immer gut beeinflussen. Enttäuschungen der Erwachsenen können folgen. Hier ist kein leichter Ausweg zu benennen. Aber viele Eltern, die bei Wutanfällen oder unzuträglichem Verhalten konsequent reagieren, entlasten sich und ihr Kind mit gutem Erfolg. „Konsequenzen“ sind dabei nicht als Tadel oder Strafe zu verstehen, sondern als zeitweilige Lösung – auch für das Kind. Körperliche Angriffe müssen weder Eltern noch Lehrer dulden, hier ist zuerst fachliche Unterstützung zu suchen.
Zusagen, etwas tun und leisten zu wollen, gibt das FAS-Kind leicht, ohne verstanden zu haben, was es tun soll und ohne einschätzen zu können, ob es die Aufgabe bewältigen kann. Hält es dann die Zusage nicht ein, ist das nicht faul oder böswillig, sondern einfach die Folge der arglosen Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft des Kindes. Verständige Erwachsene ärgern sich nicht über den „Vertragsbruch“, sondern prüfen beim nächsten Mal, ob die Aufgabe angemessen ist und- ob sie verstanden wurde. (Manchmal hilft es, das Kind zu bitten, die Aufgabenstellung zu wiederholen und es zu fragen, wie es – in welchen Schritten – bei der Problemlösung vorgehen will.)
Eine große Hilfe im Alltag, auch im Schulalltag, sind feste, gleichbleibende Strukturen. Gleiche Tagesabläufe, gleiche Rituale, natürlich auch „gleiche“ Bezugspersonen geben FAS-Kindern Zuversicht in einer für sie unüberschaubaren Welt. Spontane Änderungen oder neue Anforderungen verunsichern sie und bewirken Angst oder Aggression. Wenig hilfreich sind freie Zeiten oder der Gedanke, das Kind solle Gelegenheit haben, sich frei nach eigenen Interessen befassen und entwickeln. Das FAS-Kind ist dann meist ratlos, manchmal „stellt es etwas an“. Spontane Belohnungen bewirken oft das Gegenteil der erhofften Freude. Eine Urlaubsreise lockt ein FAS-Kind nicht, weil es neues erleben könnte, sondern beunruhigt es und fördert überwunden geglaubte Verhaltensstörungen. Eingeübte Alltagsrituale sind nach dem Urlaub vergessen. Kurzum: in der Schule wie zu Hause sind „Anregungen“, „neue Erlebnisangebote“, die ein Kind belohnen sollen, für ein FAS-Kind meist große Last.
FAS-Kinder treten oft forsch auf, scheinen ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Wiederholte Erfahrungen des Scheiterns an altersgerechten Aufgaben oder das Erleben, das jüngere Kinder besser zurecht kommen, lassen FAS-Kinder aber zugleich auch denken, dass sie weniger wert oder untauglich sind. Jedes FAS-Kind hat aber Fähigkeiten, die ungestört sind oder sogar gut ausgeprägt auftreten. Nicht selten sind das sportliche Betätigungen oder gut beherrschte praktische Fähigkeiten. Nicht immer ist es leicht, diese besonderen Gebiete zu finden. Anfangs sollten Eltern und Lehrer hier verschiedene Angebote machen. Ein eigenes „Leistungsfeld“, und seien es besondere Aufgaben im Haushalt oder in der Klasse, die nur diesem Kind zustehen, sind aber zu finden. FAS-Kinder sind hilfsbereit, finden sich oft gut darin ein, schwächere zu unterstützen. Im Sport ist zu beachten, dass Mannschaftssport und komplexe Regeln überfordern können. Ohne ein – wenn auch kleines - Gebiet eigenen Handelns, das dem Kind zeigt: „ich kann auch etwas!“, sollte der Alltag des FAS-Kindes nicht sein.